Die positiven Auswirkungen auf Vitalität und allgemeinen Gesundheitszustand durch das Taijiquan basieren auf Entspannung, der Bewegung aus der Körpermitte heraus und der Entwicklung der inneren Energie. Die verschiedensten gesundheitlichen Effekte von Taijiquan und Qigong sind vor allem in China umfassend untersucht und dokumentiert worden. Ich möchte hier nur auf einige persönliche Erfahrungen eingehen.

Die Entspannung der Muskulatur von Rumpf und Extremitäten in der Bewegung - sozusagen ein "passives" Bewegen des Körpers jenseits der Hüfte und des Beckengürtels - führt nicht nur zu einem tiefen Massageeffekt bei Muskeln und Sehnen, sondern bewirkt auch das so genannte "Öffnen" und "Schließen" der Zwischenräume in den Gelenken einschließlich des Rückrats. Schließlich wird auch der Rumpf immer mehr von diesem Wechsel aus expandierenden und kontrahierenden Bewegungen erfasst, so dass auch die inneren Organe "massiert" werden. Nach einem kompletten Durchlauf der Form (die älteren Versionen der Yang-Form benötigen ca. 45 Minuten Übungszeit) fühle ich mich am ganzen Körper "durchgewalkt" und entspannt, vitalisiert und energiegeladen.

Eine weitere Wirkung ist die Stärkung des Immunsystems. Seit meiner Jugend hatte ich unter fast chronischem Erkältungen während des ganzen Jahres zu leiden. Dieses lästige Übel besserte sich umgehend, nachdem ich mit dem meditativen Stehen im Taijiquan angefangen hatte. Die Häufigkeit von Erkältungen hat sich normalisiert und die Genesung erfolgt deutlich schneller als früher. Diese Stärkung der Abwehrkräfte geht einher mit einer deutlichen Stärkung der Vitalität, so dass ich mich auch weitaus leistungsfähiger fühle.

Schließlich kehrt durch das regelmäßige Üben von Taijiquan ein grundlegendes Maß an Ruhe und Gelassenheit ein und die Belastbarkeit wächst. Stresssituationen kann ich als vorübergehendes Phänomen empfinden, die ich nach Ende des Stressauslösers bald hinter mir lassen kann. Folglich wirkt der Stress nicht mehr lange nach, so dass ich mich selbst und andere damit nicht mehr als unbedingt nötig belasten muss.

Die positiven Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit sind derjenige Aspekt des Taijiquan, der in den Augen der Öffentlichkeit - im Westen wie in China - heute die stärkste Beachtung findet. Tatsächlich zeigt sich nach relativer kurzer Zeit des Übens eine Besserung bei Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen sowie Verspannungen aller Art. Die tiefer gehenden Veränderungen in Haltung, der körperlichen und psychischen Zentriertheit und der grundlegenden Stärkung der Vitalität ergeben sich dann im Laufe der Zeit durch intensives Üben. Die primären Impulse hierfür gehen wiederum vom meditativen Stehen, zhanzhuang, aus.

 

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©2002-2010 Stefan Gätzner

Vitalität - Gesundheitlicher Aspekt